Es klopft leise an meiner Tür. Meine Hand klatscht in mein Gesicht und ich erwache so urplötzlich aus dem Winter der keiner sein will. Eine leise und zierliche Stimme auf der anderen Seite des Raumes. “Und wenn das gerade ein Traum war, dann will ich wieder schlafen.” Seichtes schimmern durchdringt meine Augenlider. Licht. Taube und kraftlos bemühte Muskulatur versucht sich mit roher Gewalt dem Widerstand der Gleichgültikeit entgegenzusetzen. Und jeden Millimeter mit dem sich meine Augen öffnen, schmerzt es mehr und mehr. Ähnlich einer Nadel die langsam in einen Nerv eindringt. Ich lebe noch. Das gibt Kraft. Es klopft leise an meiner Tür. Orientierung. Gebeugte Zeigefinger reiben mir die letzten Träume aus den Augen. Sekunden vergehen bis ich klar sehe und ich weiß wo ich bin. Noch immer.
Die Sonnenstrahlen durchdringen den zentimeterdicken Dreck, der die Scheibe schon lange nicht mehr glänzen lässt. Staub liegt sanft wie Schnee auf meinem Kram. Den Sachen. Dem Zeugs. Den Dingen die ich besitze. Alltäglicher Schmutz der an der porösen Oberfläche halt gefunden hat. “Früher, früher gab’s noch was. Da stand ich hier oft und durchblätterte meine Sammlung mit viel Gefühl.” – “Das hat mir alles Mal viel bedeutet.” Es klopft leise an meiner Tür. Die bleischwere Decke die meinem Leben Schutz und Einsamkeit schenkte, ist mein treuer Begleiter und eine sichere Stütze geworden. “Vom tagträumen in den Schlaf gefallen. Das ging so leicht.” Ich drücke kräftig mit beiden Armen. Aufgeblähte Wangen. Kräftiges pusten. Nur schwer löst sich die Klette der Umschlungenheit vom vermeintlich sicheren Untergrund. Ich lege meinen Freund nur ein Stück zur Seite. Zeit schweißt zusammen.
Beide Beine fest am Boden. Es klopft leise an meiner Tür. “Hallo?”. Ich erwidere. “Lass das bitte keinen Traum sein.” Wackelig und mit flauem Gefühl im Magen mache ich die ersten Schritte. Der aufgewirbelte Staub glitzert im Sonnenlicht. Ich fühle mich noch ein Mal wie ein dreijähriger sich fühlen muss und greife nach den leuchtenden Kristallen in der Luft. Es klopft leise an meiner Tür. “Erzähl mir von allem. Von allem was ich verpasst habe!” Noch ein paar Schritte bis zum Türgriff. Ich drehe den Schlüssel und drücke den Türgriff nach unten. Durch den Türschlitz zieht frischer Sauerstoff in die dunkle Kammer und wirbelt die graue Pracht auf. Ich kneife die Augen zu, um die Enttäuschung von nichts, nicht klar zu sehen. “Bitte nicht schon wieder leere.” Eine etwas kleinere Person als ich es bin steht vor mir. Ich öffne die Augen. Sie schaut kurz an mir vorbei und zu mir zurück. Sie lächelt. “Bei dir sieht’s ja aus wie in einer Schneekugel.” Mehr sagt sie nicht. Ich lächle – greife zum Schloss und ziehe den Schlüssel heraus. Ich zeige Ihr das Stück Metall auf der sonst leeren und trockenen Handinnenfläche. Ihre Fingerspitzen fahren vorsichtig über meine spröde Haut. Sie greift langsam und mit bedacht danach. Blicke treffen sich. Und ich ergreife den Mut für den Schritt nach vorne.
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